Pelzfarmen in Deutschland!

Bundestag und Bundesrat stimmen für indirektes Verbot

Stand Juni 2017
In Deutschland existieren noch sechs Nerzfarmen, gegen die die Behörden bereits seit fünf Jahren wegen systematischer Verstöße gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung aktiv geworden sind.

Gesetz zu Pelzfarmen verabschiedet

Die Große Koalition hat ihren Gesetzesentwurf zu den Mindestanforderungen in der Pelztierhaltung im Bundestag durchgebracht und auch der Bundesrat hat den Gesetzentwurf gebilligt. Ein Vermittlungsausschuss für Nachbesserungen des Gesetztes fand keine Mehrheit. Die Anforderungen aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung von größeren Käfigen, Schwimmbecken und Klettermöglichkeiten werden somit in ein höherrangiges Gesetz mit Erlaubnisvorbehalt umgewandelt. Im nächsten Schritt muss das Gesetz ausgearbeitet und vom Bundespräsident verkündet und veröffentlicht werden. Der Bundesrat hat in seiner Entschließung zum Gesetzesentwurf wie PETA ein klares Pelzfarmverbot im Tierschutzgesetz durch die Bundesregierung gefordert. (1, 2)

Kein generelles Verbot

Das Töten von Nerzen oder Füchsen in Deutschland wird somit nicht grundsätzlich verboten. Die Erlaubnis für Pelzfarmer ist bei Einhaltung der hohen Haltungsvorgaben theoretisch möglich. Praktisch wird der Betrieb für Nerzzüchter jedoch wirtschaftlich unrentabel werden und zur Schließung der Farmen führen. Die sechs verbliebenen Nerzfarmen in Deutschland sollen zudem eine viel zu lange vorläufige Betriebserlaubnis von fünf weiteren Jahren erhalten. Aus ethischer Sicht ein enttäuschendes Ergebnis, denn Tiere für Pelz zu töten, ist mit dem Tierschutz unvereinbar. Aktuell sind bei Oberverwaltungsgerichten noch Klagen über die Zukunft der bestehenden Nerzfarmen anhängig. Sollten die Farmer vor Gericht unterliegen, müssten die Betreiber voraussichtlich ihre Pforten vor der Fünfjahresfrist schließen. PETA kämpft weiter für eine schnelle Schließung aller Pelzfarmen. 

PETA-Kampagne nimmt Meilenstein

Das der Gesetzesentwurf überhaupt noch im Bundestag zur Abstimmung kam, ist unter anderen Recherchen von PETA über die tierquälerischen Haltungsbedingungen auf den Nerzfarmen zu verdanken. Wir hatten zudem über 36.000 Unterschriften an die Regierungsparteien im Bundestag übergeben, damit den Pelzfarmen gesetzlich Einhalt geboten wird. Wirtschaftsnahe Politiker der Unionsfraktionen hatten fast eineinhalb Jahre den Gesetzesentwurf blockiert und jetzt stark verwässert, während SPD, Grüne und Linke ebenfalls ein Pelzfarmverbot unterstützen. 

Pelze von Nerzen, die zuvor qualvoll vergast und gehäutet wurden.

Nerzfarmen in Deutschland

Auf deutschen Farmen werden pro Jahr immer noch schätzungsweise bis zu 50.000 Nerze ihres Pelzes wegen gezüchtet. Die Wildtiere werden entgegen den staatlichen Vorgaben in viel zu kleinen Käfigen ohne festen Boden, Schwimm- oder Klettermöglichkeiten gefangen gehalten und am Ende des Jahres qualvoll vergast. Um Zeit zu gewinnen und weitere Pelzprofite einzustreichen, klagen die Pelzfarmer vor den Verwaltungsgerichten. Ein Urteil in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht ist derzeit nicht in Sicht.

Was Sie tun können

Tragen und kaufen Sie bitte keinen Pelz, denn Füchse, Nerze oder Kaninchen werden in Deutschland, China oder Polen in winzige Käfige gesperrt. Pelzfarmer versuchen, die Tiere durch analen Elektroschock, Gas oder Genickbruch zu töten, doch häufig werden die Tiere lebendig gehäutet.
Quellen:
1) Deutscher Bundestag: 234. Sitzung vom 18. Mai 2017. Gesetzentwurf 18/12085. Beschlussempfehlung 18/12403 Buchstabe a und b: angenommen. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw20-de-tierschutzrechtliche-vorschriften/505060 (18.05.2017)
2) Deutscher Bundesrat: 958. Sitzung am 02. Juni 2017. Zum Beratungsvorgang 388/17. http://www.bundesrat.de/DE/plenum/plenum-kompakt/17/958/958-pk.html;jsessionid=0050101CCBBEAD2A3C5514C53E5AA166.2_cid365#top-1