Jagd auf Waschbären

Der PETA-Faktencheck

Stand Mai 2017
Als „Pelzlieferant“ wurde der Waschbär in den 1920/30er Jahren vom Menschen aus Nordamerika nach Deutschland gebracht und bewusst ausgesetzt, um ihn hier anzusiedeln [1]. Heute gilt er als gebietsfremde invasive Art, wird erbarmungslos verfolgt und auf grausamste Weise getötet: Mehr als 100.000 Waschbären werden jedes Jahr bundesweit erschossen, in Lebendfallen gefangen und mit einem Kopfschuss hingerichtet oder in Totschlagfallen regelrecht zerquetscht und verstümmelt. Um die massenhafte Tötung der Tiere zu rechtfertigen, machen die Jäger mit Stammtischparolen und Jägerlatein mobil gegen die friedlichen Gesellen – ungeachtet der Tatsache, dass die Fakten eine völlig andere Sprache sprechen:

 

Bewiesen: Die Jagd auf Waschbären ist kontraproduktiv


Im Rahmen einer langjährigen Forschungsarbeit fanden führende Waschbärenexperten heraus, dass die Tiere mit erhöhter Fortpflanzung auf die Jagd reagieren. In bejagten Populationen ist der Anteil der sich fortpflanzenden Weibchen höher als in nicht bejagten Populationen: Je mehr Waschbären getötet werden desto mehr Jungtiere werden geboren. Auf diese Weise werden die Verluste durch die Jagd in der Population rasch wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. [2] [3] Auch der Wildbiologe und Waschbär-Experte Dr. Ulf Hohmann fordert ein Umdenken: „Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler oder Jagdexperten, der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass der Waschbär sich bei uns wohl fühlt und wir ihn nicht regulieren können. Insofern müssen wir uns mit ihm arrangieren.“ [4]
Verwaiste Waschbärenkinder in einer Auffangstation




Waschbären sind keine Bedrohung für die heimische Artenvielfalt


In keiner wissenschaftlichen Untersuchung wurde bislang nachgewiesen, dass von einer grundsätzlichen ökologischen Gefahr durch den Waschbären in Deutschland auszugehen ist. Im Gegenteil: Langjährige Forschungsergebnisse von führenden Waschbär-Experten weisen darauf hin, dass der Waschbär keine wesentliche Gefahr für die Natur und Artenvielfalt darstellt. Die Tiere ernähren sich in der Regel vornehmlich von leichter Beute, wie Regenwürmer, Insekten oder Obst. [5] [6] [7] Für Populationsrückgänge betroffener Arten, wie beispielsweise die Sumpfschildkröte, ist in erster Linie der Mensch verantwortlich. Der Lebensraumverlust durch die Begradigung von Flüssen und die tödliche Gefahr durch den Straßenverkehr haben die Reptilien an den Rand des Aussterbens getrieben [8]. Dies nun den Waschbären anzulasten, ist absurd.
 

Eine Krankheitsübertragung durch Waschbären ist nahezu auszuschließen


Deutschland ist seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut, und das Risiko einer Übertragung des Waschbärenspulwurms ist nahezu auszuschließen. Eine Ansteckung des Menschen als Fehlwirt ist extrem selten und findet ausschließlich über den Kontakt mit infektiösen Eiern mit dem Mund statt – diese können sich im Kot infizierter Tiere befinden. Selbst in Gebieten, in denen ein hoher Anteil der Waschbären Träger des Parasiten sind, tritt eine Erkrankung an einer Waschbären-Spulwurminfektion beim  Menschen nur äußerst selten auf. In ganz Mitteleuropa sind in den letzten 70 Jahren (Stand 2012) gerade einmal drei Einzelfälle dokumentiert worden, bei denen alle Personen direkten Kontakt mit Waschbären hatten. [9] [10]
Ein Waschbär versucht verzweifelt aus einer Lebendfalle zu entkommen.




Tierquälerische Fallenjagd


Die sogenannte Fangjagd, die Jagd mit Fallen, stellt eine gängige Jagdpraxis auf Waschbären dar. In Lebendfallen werden die Tiere gefangen und anschließend mit einem Kopfschuss hingerichtet. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz stehen lebend gefangene Wildtiere unter hohem Stress, was erhebliches Leiden verursacht. Ein Wildtier gerät in höchste Panik, wenn sich die Falle schließt, und zieht sich bei verzweifelten Fluchtversuchen oftmals schwere Verletzungen zu – bis hin zum Tod durch Kreislaufversagen [11]. Auch Totschlagfallen kommen bei der Jagd auf Beutegreifer teils noch immer zum Einsatz. Die Tiere werden dabei regelrecht zerquetscht oder sterben aufgrund von Trümmerbrüchen oder abgetrennten Gliedmaßen einen langsamen und schmerzhaften Tod. Vor allem bei Waschbären ist die Wahrscheinlichkeit einer nicht sofortigen Tötung besonders hoch, da die Tiere bei der Nahrungsaufnahme ihre Pfoten nutzen. Greifen die Tiere mit der Pfote nach dem Köder in der Falle schnappt diese zu. Lediglich in einigen wenigen Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen) wurden die Totschlagfallen bereits verboten bzw. unter Genehmigungsvorbehalt gestellt.
 

Was Sie tun können

  • Wenden Sie sich an den Landtagsabgeordneten Ihres Wahlkreises und bitten Sie ihn/sie höflich, sich für den Schutz der Waschbären auf Landesebene einzusetzen.
  • Stoppen Sie die Zwangsbejagung auf Ihrem Grundstück und machen Sie dieses zu einem sicheren Rückzugsort für die Tiere! Alle Infos unter: PETA.de-Zwangsbejagung-Stoppen
  • Klären Sie Freunde und Bekannte über die Sinnlosigkeit der Jagd auf.
  • Unterstützen Sie PETA Deutschlands Arbeit gegen die Jagdlobby.
Quellen:
[1] Stadt Kassel (2014): Waschbär – Die Tiere mit der Zorromaske. Stadt Kassel – Ordnungsamt mit Unterstützung von Roland Ruhnau, Naturkundemuseum Kassel und Dr. Ulf Hohmann, Landesforsten Rheinland-Pfalz.
[2] Michler F.-U.F. im Interview mit Pergande F. (2013) Waschbären „Die Rasselbande zerstört alles“. In: Frankfurter Allgemeine Gesellschaft. Abrufbar unter: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/umwelt/waschbaeren-die-rasselbande-zerstoert-alles-12173341.html (26. April 2017)
[3] Stadt Kassel (2014): Waschbär – Die Tiere mit der Zorromaske. Stadt Kassel – Ordnungsamt mit Unterstützung von Roland Ruhnau, Naturkundemuseum Kassel und Dr. Ulf Hohmann, Landesforsten Rheinland-Pfalz.
[4] Hohmann U. im Interview mit Saurer M. (2017): Invasive Art Jetzt streunen die Waschbären durch unsere Wälder. In: Badische Zeitung. Abrufbar unter: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/jetzt-streunen-die-waschbaeren-durch-unsere-waelder--135843094.html (26. April 2017)
[5] Michler B. (2015): Unsuspicious immigrant or ecological threat: A long-term fieldwork study on the introduced raccoon in Germany  ECM Stockholm 2015.
[6] Michler, B.A.; Michler, F.-U.; Rieger, S. & Roth, M. (2014): Effects of raccoon settlement in Germany - a closer look at the ecology of an unfamiliar invasive species. - In: Ulbrych, L.; Jankow, W.; Zalewski, A.; Wypychowski, K. (eds.): Ekologia i wplyw na srodowisko gatunków inwazyjnych. - Park Narodowy "Ujscie Warty", pp. 69-71. Abstract.
[7] Hohmann U. im Interview mit Saurer M. (2017): Invasive Art Jetzt streunen die Waschbären durch unsere Wälder. In: Badische Zeitung. Abrufbar unter: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/jetzt-streunen-die-waschbaeren-durch-unsere-waelder--135843094.html (26. April 2017)
[8] Richter C. (2012): Video: Sumpfschildkröte - willkommen zurück! http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/sumpfschildkroete-willkommen-zurueck-100.html (9. 11. 2016)
[9] Centers for Disease Control and Prevention (2012): Epidemiology & Risk Factors. Parasites - Baylisascaris infection. https://www.cdc.gov/parasites/baylisascaris/epi.html (9. 11. 2016)
[10] Michler, F.-U.F. & Michler, B.A. (2012): Ökologische, ökonomische und epidemiologische Bedeutung des Waschbären (Procyon lotor) in Deutschland - eine aktuelle Übersicht. - Beitr. Jagd- u. Wildforsch. 37: 389-397.
[11] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2010): Tierschutz für Jäger. Merkblatt Nr. 123.