Hintergrundwissen zum Thema Pelz

Stand September 2017

Tiere sterben für Pelz 

Pelz ist die abgezogene Haut eines Tieres. Sie wird in der Regel zu Bekleidung und Accessoires verarbeitet. Am häufigsten werden Nerze und Füchse ihrer Felle wegen getötet; allein 2015 wurden über 55 Millionen Nerze für die Pelzproduktion gehäutet. Weitere Tierarten die wegen des internationalen Pelzhandels leiden, sind vor allem Marderhunde, Waschbären, Chinchillas, Wiesel, Eichhörnchen, Schafe, Luchse, Hamster, Hunde, Katzen, Robben, Nutria, Kojoten, Kaninchen, Bieber, Bisamratten und Zobel.
 

Woher kommen die Pelze?

Über 50 Prozent der weltweit gehandelten Pelze stammen aus Europa. Bei Nerzen liegt der europäische Marktanteil sogar bei 85 Prozent. Auch in Nordamerika und China existieren zahlreiche Pelzfarmen. (1)
 
Jedes Land hat eigene Gesetze und Verordnungen, um die Haltungsbedingungen von Tieren auf Pelzfarmen oder bei der Pelzjagd zu regeln – in China gibt es gar keine. Doch viele Pelzfarmbetreiber halten sich nicht an die ohnehin artwidrigen Mindeststandards, da die Betriebe kaum kontrolliert werden. Ein Beispiel ist Finnland, das in Europa zu den führenden Pelzherstellern gehört. Obwohl die Zahl der finnischen Pelzfarmen in den letzten Jahren gestiegen ist und das Veterinäramt im Schnitt 50 Prozent der untersuchten Betriebe wegen mangelnder Umsetzung des Tierschutzgesetzes beanstandet, sinkt die Summe der staatlich kontrollierten Betriebe seit 2007 kontinuierlich. Während 2001 noch 161 Pelzfarmen kontrolliert wurden, waren es 2015 nur noch 23 Betriebe. (2) Insgesamt existieren in Finnland über 950 Pezfarmen. (3)
 
Somit sagt die Herkunft eines Pelzes nichts über die realen Haltungsbedingungen der Tiere aus. Von der europäischen Pelzindustrie selbst eingeführte Marketinglabel wie „Origin Assured“ verweisen lediglich auf existierende Verordnungen und Gesetze, ohne deren Einhaltung oder das Tierwohl zu beachten.
 

Wie leben die Tiere auf Pelzfarmen?

Momentan stammen 85 Prozent aller Felle für die Pelzindustrie von Tieren, die auf Farmen gezüchtet werden. (4) Um möglichst billig zu produzieren, werden Nerze, Füchse oder Marderhunde in winzige, karge und verdreckte Drahtgitterboxen gepfercht, in denen sie sich kaum bewegen können und immer nur Gitterstäbe unter den empfindlichen Pfoten spüren. Sie sind gezwungen, ihr ganzes Leben im Geruch ihrer eigenen Exkremente zu verbringen und haben keinerlei Möglichkeit, ihren natürlichen sozialen Verhaltensweisen nachzugehen. Füchse können für ihre Familien keinen Bau buddeln, Nerze nicht schwimmen und Marderhunden bleibt die Futtersuche im Revier verwehrt.

Zoologen an der Universität von Oxford haben in Studien mit Nerzen festgestellt, dass Wildtiere auch nach Generationen in Gefangenschaft nicht domestiziert sind und  in der Pelzzucht enorm leiden – insbesondere, wenn ihnen die Ausübung angeborener Verhaltensweisen verwehrt bleibt – zum Beispiel wenn Nerze keine Gelegenheit zum Schwimmen haben. (5)
 
Die artwidrige Haltung auf Pelzfarmen führt dazu, dass sich viele der eingesperrten Tiere selbst verstümmeln und sich Beißwunden an Haut, Schwänzen und Füßen zufügen. Sie werden zu Kannibalen, die ihre Artgenossen im Käfig und ihren Nachwuchs aufessen. Andere bewegen sich verzweifelt hin und her, drehen sich unaufhörlich im Kreis oder nagen stundenlang an den Gitterstäben ihrer Käfige. Die Monotonie ihres Lebens treibt die Tiere regelrecht in den Wahnsinn.
 

Wie werden die Tiere getötet?

Die Tötungsmethoden sind auf der ganzen Welt barbarisch und nicht immer wirkungsvoll. Im Vordergrund steht die Unversehrtheit und Qualität des Pelzes. Nerze werden zu Dutzenden in Kisten gestopft und mit heißen, ungefilterten Auspuffgasen aus LKW-Motoren vergast. Weil Auspuffgase jedoch meist langsam und unzuverlässig töten, kommen manche Tiere wieder zu Bewusstsein, während sie gehäutet werden. Ähnlich ist es bei der Tötung per Elektroschock. Hierbei wird den Tieren eine Elektrode in den Mund und eine zweite in den After eingeführt und an Strom angeschlossen. Die Tiere erleiden einen Herzinfarkt und verbrennen quasi innerlich. Auf chinesischen Märkten versuchen Pelzfarmer Marderhunden mit Eisenstangen den Schädel zu zertrümmern.

Nach dem Häuten werden die pelzlosen Körper der Tiere oftmals auf einem Haufen gesammelt. Die Tiere, bei denen der Tötungsversuch fehlschlug, liegen lebendig und keuchend inmitten ihrer toten Artgenossen. Bei manchen Tieren schlägt das Herz noch mehrere Minuten, nachdem ihnen die Haut abgezogen wurde.

Welche Länder haben Pelzfarmen bereits verboten?

In vielen Ländern lehnt ein Großteil der Bevölkerung die Pelztierhaltung ab. (6) In Österreich, Großbritannien, Slowenien, Kroatien, Mazedonien und Japan ist die Zucht von Tieren wegen ihres Felles daher bereits verboten. Auch in den Niederlanden, Tschechischen Republik und Serbien wurden entsprechende Gesetze verabschiedet, treten aber erst in wenigen Jahren in Kraft. In Bosnien Herzegowina, Litauen, Polen, Serbien, Belgien, Israel und Luxemburg wird derzeit über weitere Verbote debattiert. (7)
 
Auch in Dänemark, dem weltweit größten Herstellerland von Nerzpelzen, gibt es bereits ein erstes Zuchtverbot. Dieses gilt allerdings erst ab 2024 und nur für Füchse. (7) Somit bleibt Dänemark einer der Hauptakteure der europäischen Pelzindustrie und ist mit dem weltweit größten Auktionshaus „Kopenhagen Fur“ zugleich wichtigster Umschlagplatz des Pelzhandels.
 

Wie ist die Situation in Deutschland?

Derzeit gibt es noch sechs Pelzfarmen in Deutschland, die illegal betrieben werden, da die 2006 beschlossenen Mindestanforderungen der Tierschutznutzungsverordnung, wie Schwimmbecken, fester Boden oder Klettermöglichkeiten für Nerze, bis heute nicht umgesetzt wurden. (8)
 
im Mai 2017 konnte ein wichtiger Teilerfolg für die Tiere erreicht werden. Obwohl ein Zuchtverbot verhindert wurde, stimmte der Bundestag für eine weitere Verschärfung der Haltungsbedingungen auf Pelzfarmen. (9) Dadurch sind die Nachzucht und das Vergasen von Nerzen nicht mehr rentabel, und auch die letzten deutschen Pelzfarmen sollten innerhalb der nächsten Jahre verschwinden. In der Schweiz haben hohe Haltungsvorgaben bereits dazu geführt, dass dort keine Pelzfarmen mehr existieren.
 

Pelze aus der Jagd

Doch Tiere leiden für die Pelzindustrie nicht ausschließlich auf Pelzfarmen. Weltweit werden etwa 15 Prozent der sogenannten Pelztiere durch Schusswaffen oder aufgestellte Fallen getötet. (10) Häufig werden sogenannte Fangeisen verwendet. Tritt ein Tier in die Falle, gräbt diese sich oft bis zum Knochen in sein Fleisch ein. Das Tier durchlebt einen verzweifelten Kampf und unermessliche Schmerzen. Dabei ist es Witterungsverhältnissen, Wundbrand, Hunger, Durst und Angriffen durch Raubtiere schutzlos ausgeliefert. Schwimmtiere werden häufig in Unterwasserfallen gefangen und sterben einen grausamen Erstickungstod, der bis zu 9 Minuten dauern kann. (11)
 
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist vor allem der Fuchspelz aus der Bejagung mit Schusswaffen von Bedeutung. Hier verschweigen die Jäger, dass ein Großteil der Tiere nur angeschossen wird und sich mit klaffenden Wunden, zerschlagenen Knochen und heraushängenden Eingeweiden durch den Wald schleppt. Die meisten dieser Tiere werden erst sehr spät oder gar nicht mehr von den Jägern gefunden und sterben einen langsamen und elendigen Tod.
© Sandro und Bianka Pelli www-schonzeit-fuer-fuechse

Kennzeichnung und Handel von Pelzen in der EU

Seit 2012 gilt in der EU die Textilkennzeichnungsverordnung und schreibt  bei Pelzen und Pelzbesätzen an Mützen oder Jackenkragen den Vermerk „[e]nthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs“ vor. (12) Trotz dieser Kennzeichnung stoßen Tierrechtler und Journalisten sehr häufig auf falsch oder gar nicht deklarierte Pelze in Modegeschäften aller Preisklassen. (13) Die Kennzeichnung ist nicht nur unwirksam, sondern führt immer wieder zu Verbrauchertäuschung, indem Tierpelze, womöglich absichtlich, als Kunstpelz verkauft werden.
 
Für Pelze bestimmter Tierarten gibt es in der EU bereits Handelsverbote. So dürfen seit 2008 keine Hunde- und Katzenfelle mehr in der EU verkauft werden. Da die Tierart eines Pelzes kaum kontrolliert und nur mit aufwändigen Laborttests bestätigt werden kann, entdecken Tierschützer weiterhin Pelzprodukte von Hunde und Katzen auf dem europäischen Markt. (14,15, 16) Umso wichtiger ist es zu wissen, wie man echte Tierhaare von Kunstpelzen unterscheiden kann.
 
Auch der Import und Handel von Robbenprodukten ist in der EU seit 2010 verboten. Neben Fleisch, Fett und Öl schließt das Verbot auch den Pelz der Tiere ein. Nach Russland und den USA ist die Schweiz zuletzt das 35. Land, das sich diesem Handelsverbot angeschlossen hat.
 

Pelze belasten die Umwelt und die Gesundheit

Nicht nur Tiere leiden für die Pelzproduktion. Die Haltung und Ernährung der meist fleischfressenden Wildtiere verschwendet eine Menge Ressourcen in Form von Futtermitteln, Wasser und Anbauflächen. Zusätzliche Schäden entstehen durch die Ausscheidungen der Tiere, die zur Versäuerung des Ökosystems führen, sowie durch gefährliche Treibhausgase wie Lachgas und Ammoniak. (17)
 
Um die Verwesung der Tierpelze zu verhindern, werden die Felle unter hohem Energieaufwand gekühlt oder mit Tonnen umweltbelastender Salze bedeckt. Bei der Gerbung kommen umweltschädigende Chemikalien wie Chrom III, Aluminium und Schwefelsäure zum Einsatz. Gegerbt wird häufig in Billigproduktionsländern, wo die giftigen Abwässer oftmals ungefiltert in die Natur abfließen. Laboruntersuchungen zeigten in Pelzprodukten aller Preisklassen Rückstände krebserregender, allergieauslösender und hormonverändernder Chemikalien auf, die bei Hautkontakt zu schweren Erkrankungen wie Krebs, chronische Vergiftungen oder Allergien führen können. (18) 

 
Quellen:
(1) International Fur Federation (2016): fur farming Europe.
 https://www.wearefur.com/responsible-fur/farming/fur-farming-europe/
(2) EVIRA (2016): Animal welfare inspections based on sampling - fur animals.
https://www.evira.fi/globalassets/elaimet/elainsuojelu-ja-elainten-pito/elainsuojelun-valvonta/eng_elainlajikaaviot.pdf   
(3) Turkistieto (2014): Basic information about fur farms in Finland. http://www.turkistieto.fi/Basic_Information 
(4) International Fur Federation (2016): Fur farming.
https://www.wearefur.com/responsible-fur/farming 
(5) Georgia J. Mason et al.(2001): Frustrations of Fur-Farmed Mink. Nature 410: 35–36 
(6) Fur Free Allianc (2016): European citizens against fur farming. http://www.furfreealliance.com/wp-content/uploads/2016/10/Opinion-poll-overview-of-European-citizens-against-fur-farming.pdf 
(7) Fur Free Alliance: fur bans
http://www.furfreealliance.com/fur-bans/ 
(8) Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2016): Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung – TierSchNutztV). Abschnitt 7, §40 
(9) Das Erste, Plusminus (2017): Gier nach Pelz: So leiden die Tiere in Europa http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/pelz-tiere-kunst-qual-100.html 
(10) Deutscher Bundestag (2017): Bundestag verbietet Schlachtung trächtiger Rinder. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw20-de-tierschutzrechtliche-vorschriften/505060 
(11) International Fur Federation (2016): Wild Fur.
https://www.wearefur.com/responsible-fur/wild-fur/ 
(12) John W. Ludders et al. (1999): Drowning Is Not Euthanasia.
Wildlife Society Bulletin 27.3: 666-70. 
(13) Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 vom 27. September 2011 über die Bezeichnungen von Textilfasern und die damit zusammenhängende Etikettierung und Kennzeichnung der Faserzusammensetzung von Textilerzeugnissen. 
(14) Marktcheck (2017): TV-Sendung: Wenn uns Echtfell als Kunstpelz verkauft wird. Stuttgart: SWR Fernsehen. 24.01.2017 
(15) Hajibagher, Sarah (2017) Real animal fur sold as fake on British high street. Sky News 10. April 2017 
(16) Hering, Bodo (2015): Alex-Händler verkaufte verbotene Hundefell-Mütze. Berlin Journal. 8. Dezember 2015 
(17) Verordnung EG) Nr. 1523/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2007 über ein Verbot des Inverkehrbringens sowie der Ein- und Ausfuhr von Katzen- und Hundefellen sowie von Produkten, die solche Felle enthalten, in die bzw. aus der Gemeinschaft. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften. 27.12.2007 L 343, S.1
(18) Bijleveld, Marijn/Korteland, Marisa/Sevenster, Maartje(2011): The environmental impact of mink fur production. Report. Delft, CE Delft 
(19) Gift im Pelz, Report II (2011): Bedenkliche Chemikalien in Pelzprodukten. Hamburg/Wiesbaden.
http://zoe-www.m3plus.net/vierpfoten.de/website/uploads/giftImPelz.pdf