Dicke Luft durch landwirtschaftliche Tierhaltung

Feinstaubbelastung durch vegane Ernährung senken

Stand Mai 2017
Dreckige Städte, viele Autos und Auspuffgase gelten im Allgemeinen als Hauptfaktoren für eine schlechte Luftqualität. Was aber, wenn nicht die Autos und Fabriken, sondern die landwirtschaftliche Tierhaltung einer der Hauptfaktoren für die „dicke Luft“ ist?
Schon 2009 bestätigte das Umweltbundesamt, dass die Landwirtschaft im Gesamtanteil der Feinstauberzeugung eine höhere Relevanz als Verkehr, Haushalte, Kleinverbraucher und Energieerzeuger hat. In den Städten bleibt der Verkehr einer der Hauptfaktoren, aber auch dorthin gelangen Feinstäube aus den ländlichen Regionen. Hier ist die landwirtschaftliche Tierhaltung der Hauptansatzpunkt für eine Feinstaubreduktion. (1)
 

Was ist Feinstaub?

Für das bloße Auge kaum sichtbar kann Feinstaub (PM, particulate matter) als eine Art „Dunstglocke“ über der Stadt wahrgenommen werden. Dabei wird unterschieden in primären Feinstaub direkt aus einer Quelle und sekundären Feinstaub, der über chemische Prozesse in der Atmosphäre entsteht. Es können unterschiedlich große Feinstäube gebildet werden. Kategorisiert wird Feinstaub in PM10, PM2,5 sowie ultrafeine Partikel, wobei die Zahl für die Partikelgröße in Mikrometer steht.
 

Wo kommt der Feinstaub her?

In Ballungsgebieten wie Städten ist aufgrund des hohen Aufkommens meist der Verkehr der meistbeachtete Faktor. Nach einer Studie der Max-Planck-Gesellschaft werden aber nur etwa 20 Prozent des Feinstaubs durch den Verkehr verursacht. Die Landwirtschaft ist für mehr als doppelt so viel Feinstaub, nämlich ganze 45 Prozent, verantwortlich! (2)
In der landwirtschaftlichen Tierhaltung wird das Umweltgift Ammoniak als Vorläufergas für Feinstaub erzeugt. Es ist hauptverantwortlich für die Bildung von sekundärem Feinstaub, indem es an der Luft Ammoniumsalze bildet.
Über 90 Prozent der europäischen Ammoniakemissionen stammen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Dies führt dazu, dass allein die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft regional einen Anteil von 10 bis 20 Prozent an der Feinstaubbelastung haben können. Bedeutend höher kann dies ausfallen, wenn in den Regionen landwirtschaftliche Tierhaltung betrieben wird, dann sind es bis zu 38 Prozent. (3, 4)
Vor allem Feinstaubpartikel PM2,5 werden mit dem Wind vom Land in die Stadt transportiert. In den Städten wird vornehmlich PM10 Feinstaub gemessen, da dieser sichtbarer ist. Der weitaus schädlichere ist allerdings der Feinstaub PM2,5. (5)
Zusammengepferchte Hühner in einer Mastanlage

Was bewirkt der Feinstaub?

Der Feinstaub- und Ammoniakbelastung, der wir als Menschen in den Städten in geringem Maße ausgesetzt sind, ist für Tiere in weitaus höherem Maße Alltag.

Betrachtet man die zu Zehntausenden in Hallen auf ihren eigenen Exkrementen gehaltenen Hühner, so wird schnell klar, welche Wirkung Ammoniak auf Lebewesen hat. Nicht nur das Leben auf eng gedrängtem Raum ist eine Qual. Meistens haben die Tiere keinen Zugang zu Außenbereichen oder Freigang. Die einzige Frischluft kommt über eine Belüftung. Setzt diese aus oder ist bei extremen Temperaturen nicht ausreichend, droht den Tieren der Erstickungstod. Die Hallen sind von Ammoniakgestank durchzogen. Problematisch ist dabei die Größe der Hühner. Durch ihre Nähe zum Boden bekommen sie die dauerhaft hohe Ammoniakbelastung zu spüren. Die führt in Kombination mit der Staub- und Bakterienbelastung der Stallluft zu allergischen Reaktionen, Entzündungen der Nasenschleimhaut und grippeartigem Fieber, Reizungen und krankhaften Veränderungen des Atmungssystems und der Lungen, Reizungen der Augen und mitunter zu schmerzhaften Verätzungen.
Eben dieses Ammoniak bildet auch den kleinen Feinstaub PM2,5, der aufgrund seiner Größe in der Lage ist, in Luftröhre, Bronchien und mitunter sogar ins Blut zu gelangen. Dies führt zu schweren Gesundheitsschäden bis zu Schlaganfällen und Lungenkrebs. Nachweislich ist Feinstaub aus der Tierwirtschaft für 13 Prozent der Toten durch Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. (2)
 

Was hat unser Konsumverhalten damit zu tun?

Es wird ersichtlich, dass die Feinstauberzeugung eng mit der landwirtschaftlichen Tierhaltung verknüpft ist. Mehr Tierhaltung bedeutet gleichsam mehr sekundären Feinstaub PM2,5, dessen Bildung mengenmäßig nur über Ammoniak und somit über die landwirtschaftliche Tierhaltung gesteuert werden kann.
Das Umweltbundesamt empfiehl in seinen Strategien zur Verminderung der Feinstaubbelastung eine „deutliche Reduktion des Konsums von tierischem Eiweiß“ und sieht darin eine sehr viel effektivere, einfach umzusetzende und mit wenig bis gar keinen Kosten verbundene Maßnahme zur Reduktion der Feinstaubbelastung. (6)

Was Sie tun können

Jede noch so kleine Entscheidung kann dazu beitragen, die Feinstaubbelastung zu senken. Eine vegane Lebensweise trägt damit nicht nur zur Reduktion klimarelevanter Gase bei, sondern auch zur Verringerung von Feinstaub. Wenn Ihnen Umwelt, Natur und Ihre Mitgeschöpfe am Herzen liegen, dann leben Sie vegan. Es war nie leichter und wichtiger als heute. Bitte machen auch Sie einen Unterschied: Informieren Sie sich auf PETA.de/Lifestyle über die Vorzüge einer veganen Ernährung oder testen Sie das kostenlose Veganstart-Programm.
Quellen
(1) Umweltbundesamt (UBA) (Hrsg.) (2009): „Feinstaubbelastung in Deutschland“ Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau.
(2) Lelieveld, Jos/Evans, John S./Fnais, Mohammed/Giannadaki Despina/Pozzer, Andrea (2015): “The contribution of outdoor air pollution sources to premature mortality on a global scale”. Nature Magazin 525, 367-371. Nature, 17 September 2015; doi: 10.1038/nature15371.
(3) Ammoniak-Emissionen, abrufbar unter http://www.eea.europa.eu/data-and-maps/indicators/eea-32-ammonia-nh3-emissions-1/assessment-4
(4) Brunekeef, B. et al. (2015): „Reducing the health effect of particles from agriculture”. The Lancet, 3, S.831 f.
(5) Echtzeitmesswerte von Luftverschmutzung auf http://aqicn.org/map/europe/de/
(6) Builtjes, P./ Jörß W./ Stern, R./ Theloke J. (2012): „Strategien zur Verminderung der Feinstaubbelastung – Zusammenfassender Abschlussbericht“, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau.