Ingrid Newkirk: Was unseren Einsatz als Tierrechtler ausmacht

Erfahren Sie von PETA-Gründerin Ingrid Newkirk, wie Sie sich effektiv für die Tiere einsetzen können

Stand September 2017
Es sind die kleinen und großen Handlungen vieler einzelner Menschen, die dazu beitragen, die Tierrechtsbotschaft zu verbreiten. Nur dank engagierter Fürsprecher sind Erfolge für die Tiere erst möglich. Denn auch im hektischen Alltag dürfen wir niemals vergessen, dass die Tiere auf uns angewiesen sind, um ihnen großes Leid und einen schmerzhaften, verfrühten Tod zu ersparen. Die Tiere brauchen uns!
 
Ganz gleich, ob Sie ein erfahrener Tierrechtler sind oder gerade erst begonnen haben, sich mit Tierrechten auseinanderzusetzen: PETA-Gründerin Ingrid Newkirk stellt Ihnen in Form von „Newkirk Nuggets“ einige wichtige Strategien vor, mit denen der Einsatz für die Tiere nicht nur effektiv ist, sondern auch Spaß macht.
 

Setzen Sie sich immer für die Tiere ein – die Tiere brauchen Sie

Es ist eine große Verantwortung, aber wir sind meistens die einzige Chance, die die Tiere haben. Auch wenn uns etwas unbequem oder lästig erscheint oder uns sogar Angst einflößt – wie müssen uns für die Tiere einsetzen! Die Opernsängerin Beverly Sills hat einmal gesagt: „Du magst enttäuscht sein, wenn du scheiterst. Aber du bist verloren, wenn du es nicht versuchst.“ Und in unserem Fall sind die Tiere verloren, wenn wir uns nicht für sie einsetzen.

Seien Sie ein positiver Veganer

Um den Einsatz für die Tiere möglichst effektiv zu gestalten, sollten Sie stets höflich sein. So sorgen Sie am besten dafür, dass Sie als Veganer einen guten Eindruck hinterlassen. Wenn Sie beispielsweise im Restaurant das vegane Gericht bestellt haben und sich dennoch ein Milchprodukt auf Ihren Teller verirrt, sehen Sie bitte davon ab, sich lautstark zu beschweren. Entfernen Sie Käse etc. einfach selbst. Letztendlich geht es nicht darum, sich selbst als hundertprozentigen Veganer zu präsentieren, sondern vielmehr darum, den Menschen zu zeigen, wie einfach und schmackhaft es ist, Tieren mit einer pflanzlichen Ernährung zu helfen.

Bleiben Sie immer höflich

Als Botschafter für die Tiere sollten wir besonderen Wert darauf legen, wie wir uns präsentieren. Hier die wichtigsten Regeln: Bleiben Sie stets freundlich – auch wenn es manchmal vielleicht schwerfällt. Es ist für unser Tierrechtsanliegen nützlich, wenn wir umgänglich, sympathisch und hilfsbereit auftreten – auch dann, wenn wir eigentlich genervt und ungeduldig sind. Einer Provokation nachzugeben, mag uns kurzzeitige Entspannung geben, es ist aber weder eine clevere noch eine überzeugende Taktik. Unterm Strich geht es für die Tiere nicht darum, ob wir eine Diskussion gewonnen haben, sondern ob das Gegenüber für Tierleid sensibilisiert werden konnte. 

Bewahren Sie ruhig Blut!

Noch ein paar Worte zum Verhalten in Diskussionen: Auch wenn sich jemand wie ein Idiot verhält, versuchen Sie immer, höflich zu ihm zu sein. Lassen Sie sich möglichst nicht von Ihrem Ärger leiten. Mit Höflichkeit verpassen Sie den Argumenten des Gegenübers sofort einen Dämpfer und behalten auch in angespannten Gesprächssituationen die Oberhand.
 
Wenn Sie stattdessen aus der Haut fahren, erlauben Sie Ihrem Gegenüber, Ihre Argumente einfach vom Tisch zu wischen und stattdessen zu sagen: „Oh, ich habe diesen Veganer getroffen, und er war echt ein Idiot.“ Niemand lässt sich von einem Idioten überzeugen. Aber seien Sie versichert: Diese Person wird sich später an das Gespräch zurückerinnern und erkennen, dass sie selbst in Wirklichkeit der Idiot war und versucht hat, Sie zu provozieren. Die anderen Menschen in Hörweite der Diskussion werden hingegen von Ihnen und Ihrer besonnenen Haltung beeindruckt sein.

Seien Sie stets bestens informiert und verbreiten Sie die Fakten

Um etwas für die Tiere bewegen zu können, sollten Sie auf Fragen und Diskussionen vorbereitet zu sein. Deshalb gebe ich Ihnen den Rat, sich mit Fakten zu wappnen und immer ein paar Statistiken an der Hand zu haben. Es zahlt sich aus, jede Woche ein paar Minuten Beiträge zu Tierrechten zu lesen und sich auf peta.de und www.veganblog.de zu informieren.
 
Ich persönlich habe einen ‚Tolle Tiere“-Ordner, in dem ich Beispiele für die fantastischen Fähigkeiten von Tiere sammle, zum Beispiel darüber, wie Krähen Werkzeuge erstellen können und dass Mäuse fürsorgliche Mütter sind. Ich sammle solche Geschichten, damit ich sie bei Bedarf immer bereit habe.
 
Ich höre oft von Tierfreunden, dass sie Angst haben, eine Frage nicht beantworten zu können, aber das ist gar nicht nötig. Wenn Sie etwas nicht wissen, stehen Sie dazu. Sagen Sie einfach: „Ich bin mir nicht sicher, werde es aber gerne nachschauen.“ Dadurch gewinnen Sie an Glaubwürdigkeit. Bieten Sie an, Fakten nachzuschlagen und die Informationen später zuzusenden, denn niemand kann und muss alles wissen.
 
Wenn Sie tatsächlich Zahlen und Fakten nennen, verweisen Sie auf eine vertrauensvolle Quelle, zum Beispiel auf die Publikation eines Rechnungshofes, die Website des Ärzteausschusses für verantwortungsvolle Medizin oder auf einen Bericht der Vereinten Nationen.

Verbreiten Sie die Tierrechtsbotschaft, wo immer Sie hingehen

Es ist ein tolles Gefühl, Menschen zu informieren, die man womöglich niemals treffen wird. Ich trage immer ein paar nützliche Prospekte und Buttons bei mir. Auf Flügen werde ich oft nach meinen Buttons zu Themen wie „Fake Leder“, „Fleisch ist Mord“ oder „Pelz ist peinlich“ gefragt. Ich „vergesse“ die Animal Times auf dem Sitz in Taxis, Zügen oder Flugzeugen, ich lasse Veganstart-Broschüren in Wartezimmern von Zahnärzten und Ärzten liegen. Verteilen Sie PETAs Flyer in Supermärkten und Waschsalons – einfach überall, wo es ein schwarzes Brett gibt.

Die beste Antwort auf die Frage „Warum bist du Veganer?“

Ich empfehle Ihnen, auf die Frage „Warum bist du Veganer?“ Folgendes zu antworten: „Weil ich Grausamkeit an Tieren nicht unterstütze und Schlachthöfe zu den grausamsten Orten gehören, die es gibt.“ Sie können noch einige Details über die Grausamkeiten der Tierhaltung in der Ernährungsindustrie hinzufügen – von der Kastration, über die Enthornung bis hin zum Schnabelkürzen. Wenn die Gelegenheit es zulässt, können Sie vielleicht noch die furchtbaren Tiertransporte erwähnen.

Spenden Sie, um den Tieren zu helfen

Spenden ist wichtig, denn Aufklärungsarbeit ist nur mit Spenden möglich. Wenn es Ihnen möglich ist, unterstützen Sie die Tierrechtsarbeit auch finanziell, zum Beispiel mit einer Anzeige in Ihrer Stadt oder einer Zeitung Ihrer Wahl. PETA stellt gerne Motive bereit und organisiert alles, so dass Ihr Traum in Erfüllung gehen kann.

Nutzen Sie auch Ihre Hobbys, um Tieren zu helfen

Tierechte sind kein Hobby – sie sind eine Revolution in der Art und Weise, wie wir mit vermeintlich schwächeren Lebewesen umgehen. Wenn Sie ein Hobby haben, können Sie sich auch auf diese Weise für die Tiere einsetzen. Sandy aus Kalifornien beispielsweise liebt Bowling. Daher hat sie die Veranstaltung „Bowlen für Tierrechte“ organisiert, um ein Tierheim vor Ort zu unterstützen.
 
Mein Hobby ist die Formel 1. Ich erkundigte mich daher, welche Formel-1-Fahrer Hunde oder ein Herz für Tiere haben. Diese Fahrer bat ich dann, eine Petition gegen das Servieren von Stopfleber auf ihren Veranstaltungen zu unterzeichnen.
 
Wenn Sie joggen, Rad fahren oder Karten spielen und vielleicht Mitglied in einem Verein oder einer Gruppe sind, bieten sich tolle Möglichkeiten. Als Mitglied in einem Fitnessstudio können Sie dort Veganstart-Broschüren oder die Broschüre „Vegan und Sport“ auslegen. In Ihrem Buchclub können Sie ein Buch mit subtiler Tierrechtsthematik vorschlagen. Beim gemeinsamen Nähen können Sie vegane Garne vorstellen und vom Leid der australischen Schafe für Wolle berichten.
 
In Rhetorikclubs wie dem Toastmasters Club ist es möglich, eine Präsentation über Tierrechte zu halten, und in einem Filmclub können Sie die Verwendung exotischer Tiere in Filmproduktionen thematisieren. Dabei können Sie mit Ihrem Wissen über Regisseure und Filmstars wie Anjelica Huston glänzen, die sich unter anderem gegen den Einsatz von Menschenaffen in Filmen ausgesprochen hat.
 
Wenn Sie an der Organisation von Events beteiligt sind, sorgen Sie dafür, dass keine Zirkusnummern mit Tieren stattfinden und dass vegane Gerichte angeboten werden. Mit anderen Worten: Bringen Sie sich ein!

Bleiben Sie immer motiviert

Und schlussendlich: Lassen Sie sich niemals einschüchtern. Vergessen Sie nie, dass Sie den wichtigsten Trumpf im Ärmel haben – die Stärke des Mitgefühls. Erinnern Sie sich immer daran, dass Sie die ethischen Argumente auf Ihrer Seite haben.