Qualzucht bei „Haustieren“ in Deutschland beenden!

Schmerzen, Angst und früher Tod: So leiden unsere tierischen Mitbewohner

Stand August 2017
Sie röcheln, die Augen tränen und ihre Gelenke sind geschädigt – die Rede ist von sogenannten Qualzuchten. Viele Tierhalter denken sich nichts dabei, wenn der Mops „so niedlich schnarcht“ oder der Dackel auf seinen kurzen Beinen „lustig“ durch die Gegend wackelt. Doch die Beschwerden der Vierbeiner sind keineswegs harmlos. Irrationale Zuchtziele sowie Vorgaben von Verbänden und Preisrichtern bei Wettbewerben haben zu völlig deformierten Körpern geführt.
Der § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes (1) verbietet es zwar, Tieren Merkmale anzuzüchten, unter denen sie leiden; der Gesetzgeber hat es aber bislang versäumt, verbindliche Richtlinien darüber festzulegen, wie diese zu definieren sind. Aus diesem Grund herrscht ein massives Vollzugsdefizit und Qualzuchten sind noch immer weit verbreitet. Um hierauf hinzuweisen und geltendes Recht durchzusetzen, hat PETA exemplarisch 22 deutsche Züchter diverser „Rassen“, die besonders unter ihrer „Defektzucht“ leiden, stellvertretend für die gesamte Heimtierzuchtbranche angezeigt. Die Tierrechtsorganisation fordert die Einführung eines Heimtierschutzgesetzes, das unter anderem rechtlich verbindlich und klar ausformuliert, welche Merkmale als der Qualzucht zugehörig gelten. Irrationale Zuchtziele sowie Vorgaben von Verbänden und Preisrichtern bei Wettbewerben haben zu völlig deformierten Körpern geführt. Die Tiere werden wie Ware produziert und über Onlineportale, Zeitungsannoncen, auf Tiermärkten oder vom „Züchter des Vertrauens“ gewinnbringend verkauft. Es existiert eine regelrechte Mode – bei fühlenden Lebewesen!

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Das Elend der „Rassetiere“

Viele der gezüchteten „Rassen“ haben mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die sogenannten Rassestandards, nach deren Maßgabe die Elterntiere bei der Zucht ausgewählt werden, sind hierbei hochproblematisch. Bei Wettbewerben werden häufig nicht die gesunden Tiere prämiert, sondern jene, die den oftmals völlig irrationalen Zuchtzielen am ehesten entsprechen. Dass dabei deformierte Körper und kranke Tiere in Kauf genommen werden, ist aus tierschutz- und tiermedizinischer Sicht fatal und bedeutet für die Vierbeiner in den allermeisten Fällen lebenslanges Leiden. 
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1. Hunde

Mops

Im Heimtierbereich ist der Mops mittlerweile zum Symbol für Qualzucht geworden. „Nicht süß, sondern gequält“ lautete der Titel einer Pressemitteilung der Bundestierärztekammer über das sogenannte brachyzephale Syndrom (2). Bei Möpsen führt der verkürzte Gesichtsschädel, der den Tieren aufgrund des beliebten Kindchen-Schemas angezüchtet wurde, zu ständiger Atemnot. Die Hunde sind den Anforderungen eines normalen Hundelebens schlichtweg nicht gewachsen. Selbst Spaziergänge, Spielen, Autofahren und jede Art von Aufregung können zu einer ernsthaften Gefahr werden (3). Bei Hitze oder starker Aufregung kann der Hund so sehr in Panik geraten, dass tierärztliche Hilfe nötig ist und sogar Lebensgefahr besteht. So sind manche Hunde nur nach einer erfolgreichen Operation überhaupt lebensfähig; unzählige Tiere erreichen nicht ihre normale Lebenserwartung. Durch die Oberkieferverkürzung schließt das Gebiss nicht richtig – die Tiere können nicht gut abbeißen. Die Zähne haben in den reduzierten Kiefern schlichtweg nicht ausreichend Platz. Ausgeprägte Zahnfehlstellungen, daraus resultierende Zahnschmerzen und Zahnverlust sind die Folge (4).

Französische Bulldogge

Die Französische Bulldogge gehört wie der Mops zu den am häufigsten von der Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit) betroffenen Hunde“rassen“. Leider bedient sich der bedenkliche Zuchtstandard auch hier einem übermäßig ausgeprägten Kindchen-Schema: große, runde Augen und eine runde, vorgewölbte Stirn mit weit auseinanderstehenden Augenhöhlen. Diese zweifelhafte Optik kann allerdings nur durch einen krankhaft verformten Schädel entstehen. Die betroffenen Tiere zeigen aufgrund der extrem verkürzten Nase und des deutlich zu kurzen Oberkiefers Atembeschwerden bis hin zu Atemnot. Viele Hunde machen Geräusche beim Atmen. Dies reicht vom Schnarchen in der Nacht bis hin zum permanenten Röcheln. Grund dafür sind viel zu enge Nasenlöcher und -gänge, ein viel zu langer weicher Gaumen bzw. ein weiches Knorpelgerüst des Kehlkopfes. Fakt ist: Die Herauszüchtung extremer Merkmale führt zu erheblichen Leiden und Qualen bei den Tieren (5). Sie hecheln aufgrund einer gestörten Temperaturregulation mitunter bereits bei geringsten Belastungen. Im Sommer besteht schnell die Gefahr eines Hitzeschlags. Alltägliche Belastungen können auch bei moderaten Temperaturen zu einem Kollaps aufgrund von Sauerstoffmangel führen.
Aufgrund der deutlich zu flachen Augenhöhlen quellen die Augäpfel beim Mops und der Französischen Bulldogge hervor (Exophthalmus). Schlimmstenfalls können die Augen komplett vorfallen (6) – ein sehr schmerzhaftes Symptom, bei dem die Tiere völlig blind werden können. Doch auch ein vermeintlich niedlich aussehendes Schielen bedeutet, dass der Hund niemals richtig sieht.


 
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Englische Bulldogge

Fatal: Forscher konnten in einer Studie zeigen, dass die Genetik – also die jahrzehntelange Inzucht der Tiere – die Englische Bulldogge krank gemacht hat. Die Wissenschaftler schätzen, dass alle reinrassigen Englischen Bulldoggen von nur 68 Individuen abstammen (7). Englische Bulldoggen leiden – wie Mops und Französische Bulldogge unter ihrer extremen Kurzköpfigkeit. Viele Hunde können ihre Nahrung nicht richtig aufnehmen, da der Zahnschluss durch einen ausgeprägten Vorbiss nur eine ungenügende Gebissfunktion ermöglicht (8). Sie können sich nicht richtig pflegen oder sich um ihre Welpen kümmern, die zumeist mittels Sectio (Kaiserschnitt) auf die Welt gebracht werden müssen. Die Hundebabys passen schlichtweg nicht durch den Geburtskanal. Eine Studie von 2010 zeigte, dass über 80 Prozent der Welpen per Kaiserschnitt geboren werden müssen (9). Vor allem die Englische Bulldogge sowie der Mops leiden zusätzlich unter der sogenannten Hüftgelenksdysplasie. Dies ist eine genetisch bedingte Fehlentwickung des Hüftgelenks, die für die betroffenen Tiere eine zunehmende Bewegungseinschränkung und starke Schmerzen bedeutet. Der Oberschenkelkopf und die Hüftpfanne passen nicht ordnungsgemäß zusammen. Bis zu 70 Prozent der Hunde sind betroffen (10). Bei den Französischen Bulldoggen sind es etwa 30 Prozent.
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Deutscher Schäferhund

Dem ursprünglich als „Hütehund“ eingesetzten Deutschen Schäferhund wurde ein derart stark abfallender Rücken „angezüchtet“, dass einige Tiere kaum mehr laufen können. Heute zeigen Hunde dieser „Rasse“ im Unterschied zu der ursprünglich geraden eine „deformierte Hinterhand mit stark abschüssiger Rückenlinie“ (11). Zudem leiden viele Tiere unter der weiter oben bereits beschriebenen genetisch bedingten Hüftgelenksdysplasie. Infolgedessen kommt es mit zunehmendem Alter zu sogenannten Coxarthrosen. Dies sind schmerzhafte krankhafte Umbauprozesse des Hüftgelenkes: Schäden am Gelenkknorpel, Überbelastung der Gelenkkapsel, der Bänder und Sehnen sind die Folge. Die Tiere leiden teils erheblich, da ein Leben ohne permanente Schmerzen für sie schlichtweg nicht möglich ist. Viele Hunde versuchen, das schmerzhafte Gelenk zu entlasten, wodurch es zur Mehrbelastung der anderen Seite, aber auch der Wirbelsäule und der Gelenke der Vordergliedmaßen kommen kann (12). Etwa jeder fünfte Deutsche Schäferhund ist betroffen (13). Die Erkrankung ist nicht heilbar. Je nach Schweregrad kann nicht einmal eine dauerhafte Schmerztherapie Linderung verschaffen. Dann sind operative Eingriffe notwendig. Die Lebensqualität der betroffenen Tiere ist häufig erheblich verringert. Die Tiere wollen auf Spaziergängen nicht mehr weit laufen, zeigen Lahmheiten oder einen instabilen, teils rudernden Gang. Einige Tiere haben erhebliche Probleme beim Aufstehen, setzen sich häufiger hin oder vermeiden es, mit Artgenossen zu spielen. Eine britische Studie, bei der die Daten von etwa 12.000 Deutschen Schäferhunden ausgewertet wurden, kam 2017 zu dem Ergebnis, dass 63,43 Prozent der Hunde an mindestens einer Erkrankung litten. Die am häufigsten auftretenden Todesursachen waren Muskel-Skelett-Erkrankungen (16,3 Prozent) und die Unfähigkeit zu stehen (14,9 Prozent) (31).

Teckel (Dackel)

Der Teckel gehört zu den sogenannten chondrodysplastischen „Rassen“ und neigt zu frühzeitigen Fehlbildungen im Bereich der Zwischenwirbelscheiben (14). Die Chondrodysplasie ist eine genetisch bedingte Störung der Knorpel- und nachfolgend auch der Knochenentwicklung. Erkennbar ist diese Erkrankung an den verkürzten Extremitäten und einer Fehlstellung der Beine. Es kommt zu einem vorzeitigen Wachstumsstillstand, dem sogenannten Zwergwuchs (15). Dem Teckel wurden zunehmend kurze Beine und ein besonders langer Rücken „angezüchtet“ – eine fragwürdige Optik. Die Folge sind deutlich häufiger auftretende Bandscheibenvorfälle. Je nach Lokalisation, Grad und Ausmaß des Vorfalls führt dies zu unterschiedlichen Symptomen. Starke plötzliche Schmerzen im Hals oder im Rücken, erhöhte Berührungsempfindlichkeit und Lähmungserscheinungen der Vorder- und/oder Hinterbeine sind sehr häufige Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls. Man spricht daher auch von der „Dackellähme“. Betroffene Hunde wollen oder können sich nicht bewegen. Tiere, die noch in der Lage sind, sich zu bewegen, zeigen häufig einen schwankenden Gang. Bei besonders schwerwiegenden Fällen kann es zudem zu Komplikationen und Störungen der Blasenentleerung und des Kotabsatzes kommen. Hunde mit „Dackellähme“ leiden unter starkene Schmerzen. Einige Tiere können nie wieder selbstständig laufen, denn nicht immer hilft eine Operation.

 

2. Katzen

Sphinx

Sphinx-Katzen zählen aufgrund von erheblichen Abweichungen ihres Haarkleides zu den Qualzuchten. Ihnen fehlt das Fell. Daher werden sie auch als „Nacktkatzen“ bezeichnet. Was sich zunächst vielleicht banal anhört, ist hochproblematisch: Aufgrund der Haarlosigkeit fehlt den Tieren der wichtige mechanische Schutz. Zudem müssen „Nacktkatzen“ aufgrund des fehlenden Fells permanent Wärme produzieren. Um den erhöhten Kalorienbedarf zu decken, müssen die Tiere deutlich mehr Nahrung zu sich nehmen. Im Sommer erleiden nackte Tiere häufiger einen Sonnenbrand, da die Haut der Sonne schutzlos ausgeliefert ist. Da ihnen oftmals auch die Tasthaare fehlen, bereiten ihnen die Kommunikation mit anderen Tieren und die Orientierung im Dunkeln große Schwierigkeiten. Sie finden sich deutlich schlechter in ihrer Umgebung zurecht und können Probleme mit ihren Sozialkontakten zu Artgenossen ausprägen.



Rex

Rexkatzen sind nicht komplett nackt. Sie sind aber mit ähnlichen Problemen wie die Sphinx-Katzen konfrontiert. Auch sie leiden unter der Veränderung ihres Haarkleides. Bei ihnen sind die Haare des Fells gewellt und brüchig, die Funktion des Fells ist stark eingeschränkt. Vor allem bei der Devon Rex sind die für die Kommunikation und Orientierung wichtigen Tasthaare gekräuselt bzw. fehlen komplett. Die auch als Vibrissen bezeichneten Haare helfen den Tieren beispielsweise beim Untersuchen von Gegenständen und bei der Aufnahme sozialer Kontakte (16). Fehlende Tasthaare sind der Meinung von Experten zufolge ein körperlicher Schaden, der die Katze derart in ihrer Fähigkeit, arttypisches Verhalten auszuleben, einschränkt, dass es zu einem andauernden Leiden der Tiere kommt (17). 


Perser

Perserkatzen leiden ähnlich wie Bulldoggen und Möpse unter ihrer extremen Kurzköpfigkeit (Brachycephales Syndrom). Die Folge sind eine Verkürzung des Oberkiefers, eine Verengung der oberen Atemwege und der Tränennasenkanäle. Somit bekommen die Tiere sehr schlecht Luft und leiden häufig an Augeninfektionen. Vielen fällt selbst die Nahrungsaufnahme schwer. Die Zahnfehlstellungen, schwerwiegenden Atemprobleme, der permanente Augenausfluss und Bindehautentzündungen müssen oft chirurgisch versorgt werden (18). Zudem neigt die Perserkatze zu Schwergeburten und einer gesteigerten Totgeburtenrate. Nicht selten ist ein Kaiserschnitt notwendig. Die Probleme treten insbesondere bei Katzen vom sogenannten Peke-Face-Typ auf – Katzen des fragwürdigen amerikanischen Zuchtzieles (19). Diese Tiere haben einen stark hochgezogenen Nasenrücken und erinnern an die ebenfalls kurzschädlige Hunde“rasse“ Pekinese. Weiße Perserkatzen haben ein erhöhtes Taubheitsrisiko (20). Sie sind in ihrer Kommunikation eingeschränkt, können Drohlaute von Artgenossen nicht wahrnehmen und hören nicht das Fiepen und Schnurren ihrer eigenen Babys. Viele Perserkatzen leiden an einer Nierenerkrankung (PKD: Polycystic Kidney Disease), die zu Nierenversagen und einem frühen Tod führen kann. Weltweit sind etwa 38 Prozent der Perserkatzen von der Erkrankung betroffen, die damit als bedeutendste vererbbaree Erkrankung bei der Katze angesehen wird (21). Problematisch ist auch die Langhaarigkeit der Perserkatzen. Das lange Fell mit der dichten Unterwolle muss regelmäßig und ausgiebig gebürstet werden, da es andernfalls sehr schnell verfilzt. Wird die wichtige Fellpflege durch den Halter nicht akzeptiert, kann solchen Tieren nur mittels Komplettschur geholfen werden, die in den meisten Fällen nur unter Vollnarkose durchführbar ist. Dies bedeutet erheblichen Stress für das Tier und setzt die Tiere einem vermeidbaren Risiko aus.

 

3. Kaninchen

Angora

Das Fell des Angorakaninchens ist zu einer ständig nachwachsenden Wolle umgezüchtet, die regelmäßig – etwa vier bis fünf Mal jährlich – geschoren werden muss. Diese Tiere werden ihrer Wolle wegen für die Textilherstellung ausgebeutet. Durch das überlange Fell besteht bei warmen Umgebungstemperaturen ständig das Risiko eines Hitzestaus. Das leider notwendige häufige Scheren bedeutet extremen Stress für die sensiblen Fluchttiere. Zudem leiden die Tiere häufig unter Augenreizungen und im Sommer häufiger unter Fliegenmadenbefall, der tödlich enden kann (22). Tierärzte warnen immer wieder vor der Erkrankung (23). Ein weiteres mitunter tödliches Gesundheitsproblem ist die Entstehung sogenannter Bezoare – das sind Haarballen im Magen, die zu schwerwiegenden Verstopfungen führen können – eine lebensbedrohliche Situation für Kaninchen. Grund dafür ist das Abschlucken der vielen sehr feinen Haare während des Putzens. Kaninchen mit Verdauungsproblemen sind Notfallpatienten in der tierärztlichen Praxis. 

Widder

Widderkaninchen sind aufgrund ihrer „ lustigen Schlappohren“ inzwischen sehr stark verbreitet – zu ihren dramatischen Ungunsten. Widder leiden extrem unter der angezüchteten Langohrigkeit. Die Ohrenlänge ist absolut unnatürlich und bringt viele Einschränkungen und Gefahren mit sich. Was Züchter und Liebhaber dieser Kaninchen“rasse“ niedlich finden, sind schlichtweg überproportional lange Ohren – bis zu einer Länge von 65 Zentimetern beim Englischen Widder. Doch Kaninchen sind Fluchttiere und werden durch ihre sich ständig im Weg befindlichen Ohren beeinträchtigt. Bewegungseinschränkung und eine hohe Verletzungsgefahr sind die traurigen Resultate (24). Die Tiere treten sich – und ihren Artgenossen – permanent auf die Ohren. Dies verursacht Wunden/Verletzungen und nicht unerhebliche Schmerzen. Die betreffenden Kaninchen sind ihr Leben lang einem permanenten Leiden ausgesetzt. Im Sommer ist ein Hitzestau unter den „Riesenohren“ möglich. Im Winter verlieren die Tiere so viel Wärme über die große Ohroberfläche, dass die Tiere es schwerer haben, sich warm zu halten. Widderkaninchen haben zudem ein teils sehr stark eingeschränktes Blickfeld sowie schlechtere Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Kaninchen, da sie ihre Ohren nicht bewegen können. 

 

4. Vögel

Kropftauben

Der Kropf der Vögel ist eine Aussackung der Speiseröhre am Hals, unmittelbar vor dem Brusteingang. Den sogenannten Kropftauben wurde ein hypertrophiertes Imponierverhalten angezüchtet. Das heißt, die Tiere zeigen ein völlig überstiegenes Imponieren. Dieses zeigt sich in einem übersteigerten Aufblasen des Kropfes mit Luft (25). Man bezeichnet die Tiere auch als „Kröpfer“. Sie leiden deutlich häufiger an einer schmerzhaften Entzündung ihres „Hängekropfes“, die tierärztlich behandelt werden muss, aber häufig wiederkehrt (26). Gründe dafür sind Fehlgärung, Säuerung und Fäulnisbildung des Kropfinhaltes (27). Als Spätfolge der Kropferweiterung kann es zu einer Kropfruptur kommen. Das bedeutet ein sehr schmerzhaftes Aufreißen der Kropfwand, die nicht selten tödlich endet. 

5. Reptilien

„Silkbacks“/„Leatherbacks“ (Beispiel: Bartagame)

Die fragwürdigen Zuchtziele vieler Reptilienzüchter haben zu zahlreichen optischen Variationen bei den Tieren geführt. In den vergangenen Jahren ist in der Terraristik ein deutlicher Trend zu sogenannten Morphen zu beobachten – Tieren mit veränderter Färbung und/oder Hautstruktur (28). Bei der Bartagame unterscheidet man zwei Arten der Hautveränderung: Die komplette Schuppenlosigkeit (Silkback-Bartagamen) sowie ihre züchterische Vorstufe, die sogenannte Leatherback-Bartagame, die über deutlich kleinere Schuppen als gewöhnlich verfügt (29). Schuppen sind für die Tiere allerdings von erheblicher Bedeutung, da sie einen wichtigen Schutz vor Verletzungen (mechanischer Schutz) und UV-Strahlen bieten und das Reptil vor Austrocknung schützen (Verdunstungsschutz): Die kleinen oder komplett fehlenden Schuppen bedeuten enormes Leid für die Tiere, da sie sich leichter verletzen und sich nicht artgemäß bewegen können (30). Als wechselwarme Tiere müssen Bartagamen regelmäßig Sonnenplätze nutzen, um ihren Wärmehaushalt regulieren zu können. Durch den Schuppenverlust sind sie allerdings nicht vor UV-Strahlung geschützt – schwere Sonnenbrände und Verbrennungen können die Folge sein. Sehr häufig kommen Häutungsprobleme hinzu; die Tiere müssen dann regelmäßig während ihrer Häutung eingecremt werden. Trotz des Eincremens können Häutungsrückstände zurückbleiben, die zu Abschnürungen an den Gliedmaßen oder dem Schwanz führen. Das häufige Handling bedeutet für die Wildtiere großen Stress. Die Haltung auf natürlichem Bodengrund ist unmöglich, da beispielsweise Sand oder Erde am Körper der Tiere haften bleibt oder zu mechanischen Hautverletzungen führt. Zudem sind die Reptilien erheblich in ihrer Kommunikationsfähigkeit mit Artgenossen eingeschränkt. Als Beispiel sei das Aufstellen des Bartes (Drohverhalten) genannt, dass aufgrund der Schuppen- und Stachellosigkeit unmöglich ist.

Marcelo #silkback #silkbackbeardeddragon

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Die hier dargestellten Tierarten, „Rassen“, Erkrankungen und Symptome haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind vielmehr Beispiele für das Leiden unserer „Haustiere“. Bei den meisten „Rassen“ gibt es viele nebeneinander vorkommende Leiden, die in diesem Rahmen nicht alle erwähnt werden können. 

 

Was Sie tun können

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Quellen:
(1) Tierschutzgesetz. Online unter: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html. (26.07.2017).
 (2) Bundestierärztekammer e.V. (2016): Pressemeldung: Nicht süß, sondern gequält. Online unter: http://www.bundestieraerztekammer.de/index_btk_presse_details.php?X=20161020111734. (27.07.2017).
(3) Tierklinik Hofheim (ohne Datum): Informationen zum Brachycephalen Syndrom bei Hund und Katze. Online unter: http://www.tierklinik-hofheim.de/fileadmin/user_upload/Brachycephalen_Hund_Katze.pdf. (27.07.2017).
(4) Schmidt, M. (2015): Vortrag 27. Deutscher Tierärztetag, AK 1: Brachyzephalie bei Hund und Katze – mehr als nur ein Atemproblem.
(5) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2014): Merkblatt Nr. 141. Qualzucht beim Hund.
(6) Eberhard, F. (2016): Falsche Schönheitsideale machen Tieren das Leben schwer: Ein Experte aus dem Unterallgäu klärt auf. Online unter: http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Falsche-Schoenheitsideale-machen-Tieren-das-Leben-schwer-Ein-Experte-aus-dem-Unterallgaeu-klaert-auf;art2757,2364317. (27.07.2017).
(7) Röhl, D. (2016): Qualzucht: Englische Bulldoggen sollen von nur 68 Tieren abstammen. http://www.veganblog.de/haustiere/qualzucht-englische-bulldoggen/. (27.07.2017).
(8) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2005): Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes. Online unter: http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Qualzucht.pdf;jsessionid=339958B78271DD34CA7D42C38429D099.2_cid367?__blob=publicationFile. (27.07.2017).
(9) Evans, K. & Adams, V. (2010): Proportion of litters of purebred dogs born by caesarean section. The Journal of small animal practice, 51(2). Online unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20136998. (27.07.2017).
(10) Orthopedic Foundation for Animals (ohne Datum): Hip Dysplasia Statistics. Online unter: http://www.offa.org/stats_hip.html. (27.07.2017). (11) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2014): Merkblatt Nr. 141. Qualzucht beim Hund.
(12) Tierarztpraxis Gut Windeby (ohne Datum):. Die Hüftgelenksdysplasie (sog HD). Online unter: https://www.tierarztpraxis-windeby.de/hueftgelenksdysplasie/. (27.07.2017).
(13) Orthopedic Foundation for Animals (ohne Datum): Hip Dysplasia Statistics. Online unter: http://www.offa.org/stats_hip.html. (27.07.2017).
(14) King, A. S. (1956): The anatomy of disc protrusion in the dog. Vet. Rec. 68, 939-944. / Verheyen,  J. u. J. Bouw (1982): Canine intervertebral disc disease. Vet. quart. 4, 125-134.
(15) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2005): Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes. Online unter:
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Qualzucht.pdf;jsessionid=339958B78271DD34CA7D42C38429D099.2_cid367?__blob=publicationFile. (31.07.2017).
(16) Ebd.
(17) Ebd.
(18) Justus-Liebig-Universität Gießen (ohne Datum): Brachycephalie bei der Perserkatze. Online unter: https://www.uni-giessen.de/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/kleintierklinik/Chirurgie/neurologie/Forschung/Brachy. (28.07.2017).
(19) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2005): Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes. Online unter:
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Qualzucht.pdf;jsessionid=339958B78271DD34CA7D42C38429D099.2_cid367?__blob=publicationFile. (31.07.2017).
(20) Zeilmann, K. (2015): Wie Haustiere unter der Qualzucht leiden. Online unter: https://www.welt.de/wissenschaft/article148246616/Wie-Haustiere-unter-der-Qualzucht-leiden.html. (28.07.2017).
(21) LABOKLIN GmbH & Co. KG (ohne Datum): Polyzystische Nierenerkrankung (PKD). Online unter: http://oldsite.laboklin.de/index.php?link=labogen/pages/html/de/erbkrankheiten/katze/katze_polyzystische_nierenerkrankung-pkd.html. (27.07.2017).
(22) Tierarztpraxis Ralph Rückert (2013): Myiasis: Der Fliegenmadenbefall beim Kaninchen. Online unter: http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=18337. (28.07.2017).
(23) Praxis für Kleintiere Dr. med. vet. Maria Steigmann (2015): Fliegenmadenbefall bei Kaninchen (Myiasis). Online unter: http://www.vetzentrum.de/ratgeber/fliegenmadenbefall-beim-kaninchen-myiasis/. (28.07.2017).
(24) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2005): Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes. Online unter:
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Qualzucht.pdf;jsessionid=339958B78271DD34CA7D42C38429D099.2_cid367?__blob=publicationFile. (31.07.2017).
(25) Ebd.
(26) Gabrisch/Zwart (2008): Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche Verlag.
(27) Strassmann, B. (2012): Monstren und Mutationen. Online unter: http://www.zeit.de/2012/11/Tierschutz-Qualzucht. / Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2005): Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes. Online unter:
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Qualzucht.pdf;jsessionid=339958B78271DD34CA7D42C38429D099.2_cid367?__blob=publicationFile.  (31.07.2017).
(28) Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) (2015): Morphenzucht in der Terraristik: Veterinärmedizinische Stellungnahme der AG Amphibien- und Reptilienkrankheiten (AGARK). . Online unter: http://www.meinedght.de/formulare/loader.php?f=36_20150729095650_Morphenzucht_Stellungnahme.pdf. (31.07.2017).
(29) Schweizer Tierschutz STS (2016): STS Merkblatt Wildtiere als Heimtiere. Streifenköpfige Bartagame. Online unter: http://www.tierschutz.com/publikationen/heimtiere/infothek/reptilien/bartagame.pdf. (31.07.2017).
(30) Auffangstation für Reptilien, München e.V. (2014): Positionspapier der Auffangstation für Reptilien, München e.V. zum Thema Zucht von Morphen. Online unter:https://www.reptilienauffangstation.de/wp-content/uploads/2015/06/04_PosPap_Morphen.pdf. (31.07.2017).
(31) O`Neil, Dan G. (2017): Demography and disorders of German Shepherd Dogs under primary veterinary care in the UK. Online unter: https://cgejournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40575-017-0046-4. (01.08.2017).